„Dulcinea Aldonza“ auf der Bühne

Am Sonntag, 26. Juli 2026, wurde meine Kindergeschichte über das Mädchen Aldonza wieder aufgeführt, dieses mal auf der Bühne des Kukoon in Bremen. Die Geschichte erzählte der Schauspieler Christian Bergmann, die Cellistin Lynda Cortis sprach und spielte dazu wieder eine wunderschöne Musik. Ich war wieder sehr gerührt über die Inszenierung – fantastisch!

Die Geschichte handelt von Aldonza, die unverhofft zu Don Quijotes Muse wird, obwohl sie sich nie direkt begegnet sind. Von ihr erhielt er auch den Namen Dulcinea (die Süße), obwohl sie weder süß noch an ihm interessiert werden. Vielmehr fand sie ihre große Leidenschaft in der Musik.

Die Aufführung ermöglichte der Verein „realitme – forum neue musik“, wofür ich sehr dankbar bin.

Und hier kommt der Anfang der Geschichte:

Es war einmal ein besonderes Mädchen, das lebte vor langer, langer Zeit.

Damals, im Jahre 1590, erblickte das Bauernkind mitten in Spanien, in der so genannten La Mancha, das Licht der Welt. Ihre Familie hieß mit Nachnamen Lorenzo und lebte auf einem Bauernhof. Die Gegend war trocken, es wuchsen Millionen von Olivenbäumen auf blassrosa Erde. Die Bauern arbeiteten hart, um ihre Familien zu ernähren.

Mutter und Vater Lorenzo begrüßten freudestrahlend das Kind. Auch die beiden älteren Brüder freuten sich sehr über die Schwester, nicht nur, um mit ihr zu spielen, sondern auch, weil sie ihnen helfen würde. Damals mussten nämlich alle Kinder auf einem Bauernhof mitarbeiten. Und je mehr Kinder es gab, umso mehr konnten sie sich die Arbeit teilen. Der fünfjährige Pedro konnte schon fabelhaft die Ziegen hinter dem Haus hüten. Und der dreijährige Manuel bereits jeden Morgen ganz vorsichtig die Eier aus dem Nest der Hühner in den großen Korb einsammeln. Aber beide wussten, dass mit zunehmendem Alter mehr Aufgaben auf sie warteten. Denn auf dem Nachbarhof lebte die Familie Gonzales mit sieben Kindern, von denen jedes von morgens bis abends auf dem Bauernhof beschäftigt war. Schulen gab es damals noch nicht, so wie wir sie heute kennen. Also mussten die Kinder auch nicht jeden Tag in einer Klasse sitzen und lernen. Da sie aber nicht lernten, konnten sie natürlich auch nicht schreiben und lesen. Aber nicht nur die Kinder, auch die Erwachsenen konnten selten schreiben und lesen – und nur ganz wenige rechnen.

Das klingt seltsam, oder? Wie konnten sie dann einkaufen gehen und Brot, Milch oder Süßigkeiten kaufen? Die Antwort ist ganz einfach: gar nicht. Es gab nämlich keine Einkaufsläden. Auf einem Bauernhof stellten die Familien fast alles selbst her. Und was sie nicht herstellen konnten, das wurde eingetauscht: Die Bäuerin gab der Näherin Eier und Milch und Fleisch und erhielt dafür ein neues Kleid. Der Bauer tauschte Fleisch gegen einen neuen Pflug. Deshalb arbeiteten die Menschen vom ersten bis zum letzten Sonnenstrahl eines jeden Tages, um genug Dinge herzustellen, die sie tauschen konnten – oder selber essen.

Auch auf dem Bauernhof der Familie Lorenzo herrschte stets geschäftiges Treiben …